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Bitches Brew

(8 posts)
  1. Gast
    Key Master

    Bitches Brew wurde 1969 nach drei Jahren Studioarbeit veroeffentlicht. Miles war bis dahin massgeblich fuer grossartig komponierte Jazzalben wie „Miles Ahead“ und natuerlich sein Ueberwerk „Kind of Blue“ bekannt, dessen „Coolness“ er im gleichen Jahr sogar mit „In a silent way“ noch einmal aufgriff.
    Doch mit Bitches Brew brach er komplett mit diesem Ruf und veroeffentlichte ein Stueck Musik, dass es bis dahin noch nie gegeben hat.

    Bitches Brew ist ein Doppelalbum (das erste Jazz Doppelalbum ueberhaupt) mit 7 Stuecken. Es macht allerdings wenig Sinn nach „Liedern“ oder „Tracks“ zu kategorieren. Vielmehr wuerde ich von „Themen“ sprechen, was ich spaeter erlaeutern werde. Davis hat eine Zahl Musiker, wie den Pianistengott Keith Jarrett oder den Ueberdrummer Jack DeJohnette gewaehlt und mit ihnen im Studio improvisiert.

    Die Grossartigkeit der Musiker spiegelt sich hierbei nicht in erster Linie im technischen Koennen, sondern im Zusammenspiel, in der musikalischen Interaktion wider. De Johnette spielt groessenteils simple Grooves, die nach und nach von den anderen Musikern (wie dem zweiten Schlagzeuger Al Foster!) aufgeriffen werden. Durch die jazztypischen synkopierten Figuren entstehen damit permanent Luecken, die, unabhaenig ob Rhythmus oder Melodieinstrument, „gefuellt“ werden. Das Resultat ist ein unharmonisches and rhythmisch absolut geniales Geflecht aus verschiedensten Klaengen.

    Um den Jams Charakter und Thematik zu verleihen, tauchen regelmaessig Themen auf (beispielsweise die typische Anfang von John McLaughin, die staendig wiederkehrt). Meist von Jarrett an der Orgel iniziiert, helfen diese die Musik fuer einen kurzen Moment zu fassen und die Musiker fuer neue Ideen zu oeffnen.

    Das Hoererlebnis sehr frei und positiv – man konzentriert sich nicht auf eine Melodie, eine Stimme oder einen Riff, sondern auf eine Vielzahl von Instrumenten die selbststaendig und perkusiv auftauchen. Ich kann das Album also einfach nebenbei beim Arbeiten hoeren, zum anderen mich aber darin vertiefen – auf einzelne Instrumente achten und ihre Rhythmik verfolgen und zusammen mit dem einzelnen Musiker die exzentrischen Hoehen, die Coolness, die Tragik oder aber auch einfach die Schoenheit des Momentes mitzuerleben.

    Und genau das – zwei prinzipiell komplett gegensaetzliche Ansaetze zu vereinen macht fuer mich die Genialitaet dieses Albums aus.

    Ihr Gid.
    Posted 6 years ago #
  2. Gast
    Key Master

    scheisse, nicht eingeloggt, jetzt kann ich nicht editieren.

    wollte noch fix hinzufuegen, dass es groesstenteils unmoeglich ist den bestimmte stellen den einzelnen stuecken zuzuordnen - dafuer ist die improvisation einfach zu offen. wenn ich also kurz reinhoer und nicht grad ein thema auftaucht kann man nicht sagen ob das nun spanish key oder irendwas anderes ist.

    deshalb meinte ich eben, dass es hilfreicher ist von "Themen" zu sprechen
    Posted 6 years ago #
  3. Gideon
    Member

    irgendwelche meinungen?
    Posted 6 years ago #
  4. Danke für den aufschlussreichen Text. Wenn man so wie ich noch nie wirklich jazz gehört hat, klingt das alles sehr interessant. Außerdem steh ich auf Improvisationen. Ich kauf mir dann wohl die kind of Blue :)
    Posted 6 years ago #
  5. cool, gideon. du als alter drummer weißt eben besser, wie man so eine platte beschreibt.

    ich bin nach wie vor von dem album begeistert. es ist bis jetzt klar das beste, was ich von davis gehört habe.

    @spirsh: yeah, die kind of blue is wohl so eine art "einstiegs-jazz-platte" ...ist ja auch die lieblingsscheibe von Lisa Simpson ;) wobei das mit der tatsache nicht viel zu tun haben wird....

    uff, die hitze ;)
    Posted 6 years ago #
  6. Gast
    Key Master

    Nicht, dass das wichtig wäre, aber war Lisa´s Lieblingsplatte nicht "Birth of the Cool"? (zumindest in der Folge, die ich gesehen habe) ;-)


    Übrigens, das europäische Pendant zu "Bitches Brew" ist für mich in gewisser Weise Soft Machine´s "Third".

    Praktisch zeitgleich entstanden, beides Doppel-LP´s mit langen, ausladenden Stücken. Die Canterbury-Musiker haben hier unabhängig von Davis ihre eigene Verschmelzung von Rock und Jazz realisiert. Die Fusion lag damals geradezu in der Luft. "Third" - anders als Bitches Brew, aber sehr hörenswert.
    Posted 6 years ago #
  7. moin gid,
    wie kommst du eigentlich darauf, dass die platte über drei jahre studioarbeit entstand?
    ich hab mal ne discography durchgeblättert....hmm, ich glaub dir das irgendwie nich mehr
    Posted 6 years ago #
  8. Gideon
    Member

    moin sv.

    um ehrlich zu sein ... weiss ich nicht. keine ahnung wo ich das aufgeschnappt habe. vielleicht bullshit.
    Posted 6 years ago #

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